Harald Kujat, von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr, gab der Zeit ein Interview, das sehr lesenswet ist.

Zur Operation Adler und dem Einsatz von Schützenpanzern und Mörsern äußert sich der General a.D. sehr eindeutig. Er kritisiert auch das Verteidigungsministerium, da es zwei Jahre gebraucht hat auf eine sich ändernde Lage zu reagiern.

Die Taliban haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Aktivitäten zunehmend in den ruhigen Norden verlagert, um dem militärischen Druck der Briten und Amerikaner im Süden und Osten des Landes auszuweichen. Seit März dieses Jahres haben sie ihre Kriegsführung im Norden, vor allem in der Region Kundus, dann auch qualitativ verändert. Sie sind zum offenen Gefecht übergegangen, arbeiten mit Hinterhalten. Für diese Art von Angriffen sind Fahrzeuge ohne integrierte Waffen mit größerer Reichweite nicht geeignet. Denn wenn die Soldaten in einen Hinterhalt geraten, sind sie gezwungen, ihr Fahrzeug zu verlassen und sich im direkten Gefecht mit Infanteriewaffen zu verteidigen. Der Einsatz von Mardern, die über Bordwaffen verfügen, ist daher überfällig gewesen.

Eine "neue Qualität" des Einsatzes sieht auch Kujat gegeben, aber hält die Operation für ein Anpassen des Vorgehens an allgemeingültige Führungsgrundsätze.

Bisher hat die Bundeswehr auf die Angriffe der Taliban nur reagiert, hat sich vom Gegner den Zeitpunkt, den Ort und den Einsatz der Waffen diktieren lassen. Das widerspricht allen Führungsgrundsätzen und ist mit Sicherheit kein Rezept, das zum Erfolg führt. Gott sei Dank ist das nun im Bundesverteidigungsministerium verstanden worden

Die Mangelnde Kommunikation des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr durch die Bundesregierung hält der General für falsch und letztlich für einen Bumerang.

Das ist Aufgabe der Bundesregierung. Sie muss hier die Meinungsführerschaft übernehmen, insbesondere der Verteidigungsminister als Oberster Befehlshaber muss sich im Namen seiner Soldaten dem gesellschaftlichen Diskurs stellen.
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In Deutschland ist eine solche Diskussion nicht nur versäumt, sondern von der politischen Führung unterdrückt worden. Es existiert ein regelrechtes Schweigekartell, weil die Große Koalition gegenwärtig kein Interesse hat, den Afghanistaneinsatz mit der nötigen Offenheit zu diskutieren. Das wird natürlich auch in der Bevölkerung wahrgenommen und ist ein entscheidender Grund für die schwindende gesellschaftliche Unterstützung des Einsatzes.

Kritisch wird auch die technisch Mangelhafte Aufklären-Führen-Wirken-Kette und die immer beschriene "Strategie der vernetzten Sicherheit" behandelt.

Es wird immer von der »Strategie der vernetzten Sicherheit« gesprochen, aber die Fähigkeit, eine vernetzte Operationsführung umzusetzen, also einen funktionalen Verbund von Aufklärungssensoren, Informations- und Waffensystemen zu schaffen, ist in der Planung des Verteidigungsministeriums erst für 2014 vorgesehen. Dabei müsste ein hoch technologisiertes Land wie Deutschland, dessen Armee sich im Kampfeinsatz befindet, doch in der Lage sein, seinen Soldaten modernste und leistungsfähigste Ausrüstung an die Hand zu geben. Schließlich ist damit auch ein Höchstmaß an Sicherheit verbunden. Stattdessen müssen die deutschen Soldaten schon zufrieden sein, wenn vier Marder-Schützenpanzer eingesetzt werden.

Das komplette Interview gibt es hier.